Seelsorgeeinheit Freiburg West

St. Cyriak Hl. Familie St. Albert

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Orgel

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Zum Geleit

Es findet sich wohl keine Handwerkerleistung, die eine größere und mannigfaltigere Aussage hätte, als die Königin unter den Musikinstrumenten, die Orgel, zu bauen.

Zu der gestalteten Form für das Auge tritt das Erlebnis des Klingens, das Einordnen technischer Funktionen, die Bewältigung der akustischen Eigenarten eines Raumes. Nun ist seit allen Zeiten das „Orgelbauen“ eine Handwerkskunst, die in besonderem Maße Werke hervorbringt, welche dem höchsten Zwecke der Menschen, dem Gottesdienst, gewidmet sind. Ich denke dabei an die jahrhundertealten Orgelwerke der Barockzeit mit ihrer wundervollen Klangfülle oder auch an die technisch perfektionierten Orchesterorgeln der vergangenen Epoche. Sinn und Zweck des Orgelbaus war allenthalben‚ zur größeren Ehre Gottes“ beizutragen. Immer sei die Begeisterung einer Gemeinde zum höchsten Dienst ausschlaggebend für Leistungen. Dieser Auftrag gilt auch für die nachfolgenden Generationen. So bleibt jetzt hier dem Orgelbauer die vornehme Pflicht zu danken: Der Dank ergeht an die Pfarrgemeinde Hl. Familie für den Entschluss und die Bereitwilligkeit, ein schönes Orgelwerk, das ihres Gotteshauses würdig ist, zu erbauen.

Danken möchte ich für die Opferbereitschaft und Geduld, die uns ermächtigte, ein Instrument zu schaffen, das mit mannigfachen Stimmen und edlem Klang das Lob Gottes verkündet. Möge der Pfarrgemeinde die jetzt er­baute Orgel ein steter Begleiter sein! Möge sie mit ihrem Klang und Jubel allezeit die Bereitschaft und den Willen zur größeren Ehre Gottes wecken! Dieser Wunsch des Or­gelbauers sei das Vermächtnis für die neue Orgel der Pfarrkirche Hl. Familie in Freiburg.

Hans Georg Vleugels

Orgelbaumeister BDO


 

Chronologie

von Nicolai Bischler

„Am ehesten vermag sie zu säuseln“

Am 20. 12. 1942 wurde die Welte-Orgel unserer Pfarrei eingeweiht. Nach 50 Jahren wurde die Orgel immer an­fälliger, die Reparaturen waren in immer kürzeren Ab­ständen fällig und auch die damit verbundenen Kosten stiegen. Was tun? Sollte man die alte Orgel restaurie­ren, oder sich für einen Neubau entscheiden?

Um diese Frage zu klären wurde Professor Dr. Hans Musch, der Orgelinspektor der Region Freiburg Hochschwarzwald, von Pfarrer Schweizer gebeten, die Orgel genauer zu untersuchen.

Bei allem Respekt für die alte Welte-Orgel und der bis heute unbekannten Spenderin, fiel das Gutachten nicht besonders gut aus.

Zitat aus dem Gutachten vom 25. August 1987:

"Beim Metallpfeifenwerk sieht man viel Zink, anstatt des eigentlichen Orgelmateriales Zinn. Aber wir müs­sen bedenken, mitten im Krieg war es den Orgelbauern nur erlaubt, für die kleinen Diskantpfeifen Zinnlegie­rungen zu verwenden.“
„Beim Ausprobieren des Klangs ist die Orgel sehr enttäuschend. Sie ist sehr verstimmt. Sie entwickelt keine Kraft und wirkt äußerst stumpf. Am ehesten vermag sie zu säuseln.
So sehr man der unbekannten Stifterin von 1942 zu Dank verpflichtet ist, muss festgestellt werden, dass diese Orgel, die nun 45 Jahre ihren Dienst tat, müde ge­worden ist und gebaut wurde in einer Zeit des Tief­punkts des Deutschen Orgelbauhandwerkes. Die 35 klingenden Register bringen wenig Klangfülle und klare Zeichnung. Zu ändern ist an diesem Organismus nichts mehr.“

So entschloss man sich für einen Orgelneubau.

Sitzungen, Sitzungen, Sitzungen...

Am 7. 10. 1988 traf man sich zu einer ersten „Orgelbe­sprechung“, bei der Schwester Philothea den Anwesen­den eine kleine Orgelkunde nahegebracht hatte.

Das 2. Orgeltreffen fand am 15. 11. 1988 statt, bei dem auch Prof. Dr. Hans Musch und Architekt Friedrich, vom Erzb. Bauamt, anwesend waren.

Man verständigte sich darauf, ein Akustikgutachten einzuholen, um die Akustik für Orgel und Chor zu ver­bessern. Die Besichtigung ergab ferner, dass die Heizung in der Kirche völlig erneuert werden musste, da nicht mehr sicher war, ob sie diesen Winter noch über­stehen würde. Man beschloss, verschiedene Orgeln auf einer „Orgeltour“ zu besichtigen, so die Orgel in St. Al­bert, St. Johann, Liebfrauenkirche in Günterstal, die Kirche in Hugstetten, sowie in der Konviktkirche.

In der Stiftungsratsitzung vom 9. 5. 1989 wurde beschlossen, Prof. Dr. Hans Musch mit der Orgelausschreibung zu beauftragen. Angeschrieben wurden die Firmen Fischer & Krämer in Endingen, Jäger und Brommer inWaldkirch, Späth in Hugstetten sowie Vleugels in Hardheim.

Am 1. 6. 1990 traf sich der Orgelausschuss, bestehend aus dem gesamten Stiftungsrat, sowie den Organistin­nen der Pfarrei Hi. Familie, Schwester Philothea, Frau Beate Becker, sowie Herrn Antonius Bittmann. In die­ser Sitzung wurden die 4 Planskizzen miteinander ver­glichen und festgelegt, dass auf der Empore noch genug Platz für den Kirchenchor und für eine kleine Orche­sterbesetzung bleiben sollte. Die Registerzahl der neuen Orgel sollte zwischen 28 und 30 Registern liegen.

Am 19. 7. 1990 traf sich der Orgelausschuss wieder und hat über die Angebote sowie die Planskizzen beraten.

In seiner letzten Sitzung am 2. 11. 1990 kam der Orgelausschuss zu dem Ergebnis, der Firma Vleugels den Zu­schlag zu erteilen. Für diese Entscheidung sprachen zum Einen die Preisgestaltung der Firma Vleugels, sie bot als einzige Orgelbaufirma ihre Orgel zu einem Festpreis an. Zum Anderen gefiel der Prospektentwurf am besten und der Orgelausschuss war auch der Meinung, dass so für den Chor am meisten Platz zur Verfügung stünde.

Im Protokoll der Stiftungsratsitzung vom 13. 11. 1990 wurde über folgenden Antrag abgestimmt:

„Der Stiftungsrat der Pfarrei Hl. Familie beschließt, den Entschluss des Orgelausschusses vom 2. 11. 1990 in Übereinstimmung mit dem Gutachten des Erzbischöflichen Bauamtes (Architekt Friedrich) und des Orgelin­spektors (Herrn Prof. Dr. Musch) zu übernehmen und die Firma Vleugels in Hardheim mit dem Bau der Orgel zu beauftragen.“

Der Antrag wurde mit 6 Ja-Stimmen und einer Enthal­tung angenommen.

Nicht einfach war die Beurteilung der akustischen Verhältnisse in der Kirche.

Der Messbericht des Ingenieurbüros Wolfgang Rink vom 26. 4. 1991 zeigte auf, dass bei einer Besetzung der Kirche mit ca. 375 Personen die sogenannte Nachhallzeit schon im unteren Grenzwert des für Kirchen "günstig zu bezeichnenden Wertbereiches liegt"

Nach einer Besprechung mit Herrn Frank, Herrn Architekt Friedrich und Herrn Prof. Dr. Musch sowie Pfarrer Schweizer, Hans Balk und Nicolai Bischler entschloss man sich für eine Restaurierung der Decke im Bereich über der Orgel.

Um die Finanzen aufzubessern, wurden neben den vielen, vielen Spenden, größere und kleinere Konzerte veranstaltet, auf denen die hochqualifizierten Musike­rinnen und Musiker auf ihre Gage verzichteten.

 

Abschied nehmen

Am 12. 6. 1992 war es soweit. Die alte Weite-Orgel mußte abgebaut werden.  
Zuerst verfolgte man den Plan, die Orgel fein säuber­lich abzubauen und nach Santiago, Chile, an die dor­tige Musikhochschule weiterzuverschenken. Doch nach einigen Stunden staubiger Schwerstarbeit, war den vielen Helfern klar, daß dieses Projekt nicht zu rea­lisieren sei. Die Orgelbauer der Firma Vleugels, die zur Unterstützung dabei waren, meinten, hier würde es sich um eine Lebensaufgabe handeln.
Als dann festgestellt wurde, dass sich auch der Holzwurm in der Orgel sehr wohlgefühlt hatte, nahm man schweren Herzens von der Idee Abstand, so dass nur die vielen Orgelpfeifen übrig blieben. Beim Abbau der alten Orgel wurden interessante Entdeckungen gemacht:
Zum Einen befanden sich in der Orgel und unter dem Holzpodest, auf der Empore, noch Aschereste, die aus einem Orgelbrand her stammen müssen.  
Zum Anderen kam ein großer Betonabschnitt unter dem Emporepodest zum Vorschein, der die Planer in Angst und Schrecken versetzte. Bei der Planung der Orgel konnte dies nicht vorhergesehen werden und so war fraglich, ob die bereits gefertigten Teile in der Höhe passten. Noch rechtzeitig vor der Anlieferung der Vleugelsorgel entschloss sich der Stiftungsrat, den Holzboden auf der Empore neu verlegen zu lassen, da sich auch hier der Holzwurm eingenistet hatte. Die neue Orgel sollte genau über dem Betonvorsprung stehen und vom neuen Holzboden umrahmt werden.

 

Ankunft der neuen Orgel

Eine große Mannschaft von Helferinnen und Helfern wartete am Montag, dem 20. Juli 1992 auf die Ankunft der neuen Vleugels-Orgel. Nach einer kleinen Verspä­tung konnte gegen 17.00 Uhr mit dem Ausladen aus dem LKW und dem Anhänger begonnen werden. Gegen 23.00 Uhr wurde diese Aktion mit einem gemütlichen und deftigen Vesper beschlossen.  

Über die „Rutschbahn“, die auch schon beim Abbau der alten Weite-Orgel gute Dienste geleistet hatte, wur­den die schwersten und größten Orgelteile noch oben gezogen.  
Nun würde sich zeigen, ob die Orgel in der Höhe passen würde oder nicht. Es war ein spannender Moment, als die Türme der Orgel provisorisch zusammengebaut und aufgestellt wurden und siehe da: sie passte!

Nach einigen Wochen konnte man die „fertige“ Orgel schon bestaunen. Doch welche Farbe sollte die Orgel bekommen? Für Architekt Friedrich, vom Erzb. Bau­amt, war dies keine Frage. Nach den Gesetzen des Rau­mes und der bereits vorhandenen Farbgebung in der Kirche kam für ihn nur ein Grünton in Frage. Nach vielen Versuchen und Gesprächen hat sich der Stiftungsrat für den jetzigen Farbton entschieden.

 

Über 1500 Orgelpfeifen...

Was machen wir bloß mit den vielen, vielen Orgelpfei­fen der alten Orgel? Doch eine Antwort war bald gefun­den.

Am Sonntag, dem 30. August 1992, wurde entlang der Kirche, bei sonnigstem Wetter ein Frühschoppen orga­nisiert, bei dem die Orgelpfeifen zum Verkauf angebo­ten wurden. Schon vor dem Familiengottesdienst wur­den von Groß und Klein die Orgelpfeifen überprüft, so­daß auf dem Kirchplatz ein richtiges „Pfeifkonzert“ stattfand. Die Orgelpfeifen fanden einen reißenden Ab­satz, so dass schon bei der ersten Aktion ein Großteil ver­kauft werden konnte und so zur weiteren finanziellen Unterstützung der Orgel beitrug