Seelsorgeeinheit Freiburg West

Hl. Famile St Albert St. Cyriak

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Narri! Von Pfarrer Dr. Joachim Koffler

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Fasnet 2012

Liebe Brüder, liebe Schwestern,

alle, die noch müd von gestern,

ich grüße euch – und auch die braven,

die schon fit und ausgeschlafen,

(Ich grüße euch, Lehmer, all die braven,

ihr durftet ja wieder mal länger schlafen

als alle andren weit und breit

in unsrer Seelsorgeeinheit.)

ich grüß ganz herzlich alle Frommen

und alle, die nur so gekommen,

ich grüß die Kinder und Senioren

und alle, die mit offnen Ohren

gekommen sind an diesen Ort

und sich erfreun an Gottes Wort.


Seit Wochen hören wir jetzt schon,

wie Jesus Christ, der Gottessohn,

mit Eifer durch die Lande eilt

und immerfort die Kranken heilt.

Das kam gut an in jenen Tagen,

doch muss man sich natürlich fragen,

ob das auch uns in unsrer Stadt

und heute was zu sagen hat.

Was unterscheidet uns, ihr Leute,

ganz klar vom Evangelium heute?

In jener Stadt Kafarnaum

da standen so viel Leut herum;

dass – wie uns Markus legte dar -

kein Platz vor lauter Leuten war.

Das ist bei uns, wie alt bekannt,

nicht grade der Normalzustand.

Die Kirche bietet ohne Hatz

auch dem noch ausreichend viel Platz,

der – wie es sich zwar gar nicht frommt –

8, 9 Minuten später kommt.

Vor allem in der ersten Reihe

gibt es reichlich Plätze freie.

Da mussten sich dereinst die Massen

schon mehr an Tricks einfallen lassen

und sich gehörig mehr auch schinden,

um vorne einen Platz zu finden.


Lag dann der Kumpel hilflos flach,

stieg man dem Jesus halt auf’s Dach,

deckte die Ziegel oben ab

und, weil der Platz da unten knapp,

ließ – heute nennt man das wohl „geil“,

den Freund herab an einem Seil

Er landete – muss er es büßen?

Jesus direkt vor den Füßen.

Doch statt zu büßen, wird ihm eben

alle Schuld aufs Mal vergeben.

Nun, was kann man dafür kaufen?

wollte er doch lieber laufen,

statt Vergebung abzukriegen 

und gelähmt herumzuliegen.


Doch der Jesus ist nicht kleinlich,

alles endet gar nicht peinlich

und er spricht: „Damit ihr seht

und mein Anliegen versteht,

will ich mich zum Schluss beeilen,

auch den Leib zur Seele heilen:

Also Junge, pack die Trage,

du kannst geh’n – jetzt keine Klage!“

Das Dach war futsch, der Knabe heil -

und das, weil Freunde mit dem Seil

ohne Frage schnell geschnackelt

und nicht lange rumgefackelt,

sondern tatkräftig bewiesen,

warum sie wirklich „Freunde“ hießen.

Sollte heute einer wagen,

ins Kirchendach ein Loch zu schlagen,

läg das Bauamt auf der Lauer

und wär sicher ziemlich sauer.

Ebenso der Stiftungsrat,

und der kennt da keine Gnad.

(Wo wir fleißig kollektieren,

um das Dach jetzt zu sanieren,

an dem lang, Gott sei´s geklagt,

schon der Zahn der Zeit genagt.)

Weil es sich nicht wirklich lohnt,

bitt ich euch: das Dach verschont!

Nehmt die Türen dort ganz hinten,

zum Eintritt - und auch zum Verschwinden!

Doch wir stellten uns die Frage,

was von all dem heutzutage,

sinngemäß, nicht einfach platt

immer noch Bedeutung hat.

Nun, mir scheint, wie ehedem

ist heute Lähmung das Problem.

Und der Unterschied ist nur,

heute lahmt mehr die Struktur.

Statt dem einen, der einst kam,

scheint die ganze Kirche lahm,

außerdem noch ziemlich stumm,

wurschtelt in der Gegend rum

so ziellos, dass man – mit Verlaub -

auch annimmt, sie sei blind und taub.


Aufbruch, hört man aller Munde,

sei nun das Gebot der Stunde,

nur keiner weiß und kann versteh’n

wohin die Reise soll denn geh’n.

Die einen reden gern und viel,

der Weg sei schon genug vom Ziel,

drum laufen sie auch artig stumm

immer schön im Kreis herum.

So kann man zwar schön kontemplieren,

und manches sagen: gut studieren,

doch kommt man so, es tut mir leid,

in keine Richtung wirklich weit.

Auch nützt es wenig, den Gelähmten

mit Worten – reichlich unverschämten,

aufzufordern: Brich doch auf!

Wer lahm ist, der kriegt keinen Lauf.

Auch wenn man stets vom Aufbruch spricht:

der arme Kerl, der kann das nicht.

Gelähmte können halt nicht springen,

drum kann der Aufbruch nicht gelingen,

es ist zuerst einmal verlangt,

zu schau’n, woran es  wirklich krankt.

Es machen viele sich Gedanken,

die Produktion kennt keine Schranken

von viel Papier und mehr Papieren:

wer soll das alles noch studieren?

Aufbrüche, die vom Schreibtisch stammen,

der Tisch, der bricht jetzt bald zusammen.

Und wir, wir halten mit ihm Schritt

und brechen bald zusammen mit.

Der Papst bracht das Gespräch in Schwung

mit dem Begriff „Entweltlichung“.

Statt Reichtum und manch Privileg

führe denn der Lösungsweg

über Armut und Verzicht

zu mehr Wahrheit und Gewicht.

Es scheint mir grundsätzlich dies Streben,

nicht von vorneweg daneben.

Allein, es wär die erste Phase

der Griff stets an die eigne Nase.

Sein Outfit, das muss ich bekennen,

das kann man schon „entweltlicht“ nennen.

Doch bringt die Kirche nicht in Schwung

und macht sie schon gleich gar nicht jung,

wenn wir in Plüsch und feinen Spitzen

die Zeit zum Jüngsten Tag absitzen.

Man fragt sich nach dem Papstbesuch:

war er nun Segen oder Fluch?

Ob es was bringt herumzureisen,

das wird sich mit der Zeit erweisen.

Nur eines ist ne klare Sach,

dass im Vergleich – trotz Loch im Dach,

noch zu bedenken geben will ich:

Kafarnaum war ziemlich billig.

Was man vom Papstbesuch, o Mann,

nun sicher nicht behaupten kann.

O Herr, schick Menschen, die es wagen,

auch heute Dächer durchzuschlagen

und die Kirche, die frustrierte,

bewegungslos paralysierte,

so gelähmt, wer kann es fassen,

wie einst am Seil herabzulassen,

wenn sie sich nur nicht wo verkantet,

sondern dir zu Füßen landet,

wo sie Bodenhaftung spürt

und sich neues Leben rührt

aus deinem Wort, das alle Zeit

von der Sünde uns befreit.

Die Sünde ist die Gottesferne.

von der befrei uns bitte gerne,

denn Gott entfernt sein lähmt die Glieder,

macht uns langweilig und bieder,

raubt uns Mut und Lebenslust

und verschafft uns ständig Frust.

Von innen muss die Krankheit heilen,

nicht dadurch, dass man sich beeilen

will und kopflos rennt

von Großereignis zu Event.

Bei Jesus sieht man, das ist wichtig,

die Reihenfolge einmal richtig:

erneuert und mit Gott im Herzen

vergisst der Lahme seine Schmerzen,

hört auf zu jammern, packt die Trage

und erfreut sich seiner Tage.

So bricht das Wort sich seine Schneisen,

wie bei Jesaja schon verheißen.

Der Gott des Bundes bleibt sich treu,

und spricht: Ich mache alles neu.

Die einen freun sich drauf schon lange,

den andern ist es angst und bange.

Warum sollte jemand wollen,

sich von Grund auf ändern sollen,

der nicht vor Angst ums Leben schwitzt,

sondern fest im Sattel sitzt?

Die Sattheit macht die Menschen lahm,

gefräßig, faul, politisch zahm.

Was Neues kann sich nicht entfalten,

wenn alles Alte bleibt beim Alten:

die Reichen reich – und all der Armen

will sich keiner recht erbarmen.

Wir sind bei allen Wirtschaftspannen

schnell am Rettungsschirme spannen,

doch bringt es nichts, wenn nur die Banken

sich am End dafür bedanken.

Erneuerung – zwar unbequem -

ist stets ein Wechsel im System,

Auch wenn der Profiteur laut mault, 

nur was nicht länger weiterfault,

nur was im Innern wird geheilt,

auf Dauer auch gesund verweilt.

Erneuerung muss jeder Zeit

geprägt sein von Gerechtigkeit.

Wo diese fehlt, da fehlt das Herz,

es bleibt vom Aufbruch nur der Schmerz.

Man hat dann außen schön verbrämt,

was innen immer noch gelähmt.

Drum lasst uns unser ganzes Leben

nach Heilung tief im Innern streben.

Das ist die frohe Botschaft heute,

vergesst das nicht, ihr lieben Leute!

Bei uns da sagt man mäßig klug:

Nix gschwätzt, des sei schon globt genug.

Doch wenn die Zunge schrecklich lahm

nur lästernd stets zum Einsatz kam,

beim Loben aber immer schweigt,

dann dieses offenkundig zeigt,

da stimmt was nicht, da fehlt die Peilung,

es braucht auch hier ne Lahmen-Heilung.

Das Meckern, das läuft wie geschmiert,

doch wer auch loben mal probiert,

obwohl es oft nicht ganz so leicht,

des andern Menschen Herz erreicht.

Drum will ich jetzt Signale senden

und diese Predigt nicht beenden

mit Schimpfen, Jammern, Lästern, Klagen

sondern damit, Dank zu sagen.

Ein Dank den Mesnern, die stets rennen,

Hausmeister, Gärtner will ich nennen.

Die Organisten zu vergessen,

das wäre sicher grob vermessen.

Die Bands und Chöre und Kantoren

erzeugen Wohlklang für die Ohren.

Dem Pater und den Diakonen

zuzuhörn tut sich stets lohnen.

Was täten wir an allen Enden

ohne Gemeindereferenten?

Ein Dank sei allen Ministranten,

die oft an der rechten Stelle landen,

allen, die die Blumen gießen

und allen, die sie still genießen,

allen, die die Lesung lesen

und auch denen, die den Besen

und auch mal den Lappen schwingen,

um den Schmutz hier zu bezwingen,

allen, die hier still verweilen,

denen, die Kommunion austeilen

hier im Haus und auch den Kranken,

die sich dafür sehr bedanken.

Allen, die im Pfarrbüro

die Besucher machen froh,

allen, die stets backen Kuchen,

und die Einsamen besuchen,

allen, die Kontakt anbandeln

und mit fairem Kaffee handeln,

die die Partnerschaften pflegen

und die Ökumene hegen,

die sich um die Kinder sorgen,

unsre Zukunft, unser Morgen,

die in Hort und Kindergarten

mit den Jüngsten schwungvoll starten,

Liturgie-, Familienkreise,

Seniorentreffen, Krippenreise,

Töpferfrauen, Hirngymnasten,

allen, die nach Wahrheit tasten,

sich bewegen, singen, tanzen,

und sich kümmern um Finanzen,

last, not least, was ich wohl täte

ohne Pfarrgemeinderäte.

Allen sei nun Lob gesungen

und ich hoff, es ist gelungen.

Ich freu mich, hier bei euch zu sein,

bei all den Narren, groß und klein,

die heute hier zusammenkamen.

Jetzt reicht´s für heute:

Danke! Amen.


© Joachim Koffler 2012