Seelsorgeeinheit Freiburg West

Hl. Famile St Albert St. Cyriak

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Kirchenführer St. Cyriak

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LEHEN

Pfarrkirche St. Cyriak,

Ortschaft der Stadt Freiburg (Breisgau) 

232 m Ü. d. M.  Stadtdekanat Freiburg

Erzbistum Freiburg

Patrozinium 8. August

Seelsorgeeinheit Freiburg-West   (Hl. Familie, St. Abert, St. Cyriak)

 

 

 

Lage und Geschichte.
Der seit dem 1. 7. 1971 zu Freiburg gehörender Stadtteil Lehen liegt etwa 5 km von der Stadtmitte entfernt, am nordwest­lichen Rand Freiburgs. Auf der Gemarkung der ehem. Gemeinde er­hebt sich als hügelige Vorbergscholle das lößbedeckte "Lehener Bergle". An dessen Südrand schmiegt sich der Siedlungsbezirk um die Pfarrkir­che und die langgezogene Häuserzeile der alten Durchgangsstraße an. Um die Ortschaft herum schottererfüllte, feuchte, teilweise bewaldete Nie­derungen des Dreisam-Schwemmlandes in der Freiburger Bucht. Direkter Anschluss an den Autobahnzubringer Freiburg-Mitte und an die Stadtbahn Linie 1.Im Vorfeld der Stadt gelegen, hatte Lehen stets an den schicksalhaften Ereignissen um Freiburg mitzutragen. 1513 wurde der unter Führung des Bannwartes Jos Fritz stehende "Bundschuh zu Lehen", ein Vorläufer des großen südwest-deutschen Bauernaufstandes, vorzeitig entdeckt und zer­schlagen. Schloss, Burgstall und Dorfgemeinde gerieten 1587 durch Ver­kauf in den Besitz Freiburgs und in ein bis 1806 dauerndes Untertanen­verhältnis zur Stadt. Von 1956 an stiegen durch Anlage von Neubauge­bieten die Einwohnerzahlen rapid an (1789 = 395 E.,
1871 = 509 E., 1939 = 588 E., 1976 = 2023 E., 2004 = 2300E.).
Lehen wandelte sich vom Dorf zur neuzeitlichen Stadtrandwohngemeinde.Eine Papsturkunde erwähnte schon 1139 die Pfarrei Lehen. Um die Mitte des 16. Jh. nahm die als Zehntherr fungierende Sapienzstiftung der Frei­burger Universität die Kirche, Pfarrhaus und deren Wirtschaftsgebäude und die Zehntscheuer in Besitz. Nach dem Dreißigjährigen Krieg entstand in der eingepfarrten Gemeinde Betzenhausen ein 2. Gotteshaus, die Filialkirche St. Thomas, die bis zur Errichtung der Pfarrei Hl. Familie 1938 mit der Mutterpfarrei verbunden blieb.  

Lehen zählt heute ca. 1230 Katholiken.

 

Baugeschichte.
Unter Pfarrer und Dekan Joseph Redhaber (1714-1730) entschloss sich die Gemeinde Lehen 1724, die „wegen der seit einigen Jahren sehr angewachsene Burger- Undt inwohnerschafft nit mehr zue­länglichen Pfarrkirchen Zu Vergrößeren, respve new aufzubauen“. Am 20. Februar überschickte man die "Canzleytax" an die bischöfliche Kurie in Konstanz und begann mit dem Abbruch der alten Kirche und der Materialan­fuhr zum Neubau. Der Freiburger Stadtgemeinderat beschloss am 9.9.1724 dazu Beihilfe zu leisten. Die Feier „des gesetzten ersteren stains Zue dem Vor­seyenden newen pfarrkürchen baw zu Lehen“ konnte im Oktober 1724 stattfinden. Unter der Leitung des Freiburger Baumeisters Gerhard Hauber legten alle mit Hand an, und es war „Keiner in Lehen, der nit einige frohn gethan“. Schwierigkeiten gab es nur mit der „Gemeindt Bezenhausen, die sich auf Beschehene ärgernuhs zu kheiner frohn Bequemen“ wollte. In die 1725 „aus dem fundament“ neu entstandene Kirche bezog man den alten spätgotischen Turm mit ein, er wurde im Glockengeschoss mit einer barocken Zwiebelhaube abgeän­derten. Die Schlussrechnung wies die stattliche „Summa Aus­gab Geltt New auf Erbawter Kürchen von 2921 Gulden 11 Batzen 3 Pfen­nig“ aus. Das wahr wohl der Grund dafür, dass man zunächst die Ausstattung der alten Kirche wiederverwenden musste. 

1724

Neubau eines Kirchenschiffes an den alten gotischen Kirchturm

1731      

„ein Kreuz in die Kirchen machen lassen“

1732       

Zwei Beichtstühle (Schreinermeister J. M. Stehlin, Freiburg)

1733       

Zwei neue Altarantependien gemalt

1737

Neubau des Hochaltars durch Schreiner Joh. M. Stehlin, Bildhauer S. Blödt,   Faßmaler F. A. Laubacher (Tabernakel) und Maler Joh. M. Saur (Altarblatt), alle aus Freiburg

1738      

Bau eines Nebenaltars (St. Cyriak)

1740       

Ca. Neue Orgel durch Joh. Georg Fischer (?)

1742       

Glockenstuhlreparatur und Wetterläden am Turm

1752       

Ein neues Nebenaltarbild

1754   

  

Neue Kanzel und Blindflügel für die Nebenaltäre (Schnitzereien durch Bildhauer Anton Xaver Hauser, Freiburg); farbige Fassung des Hochaltars

1760             

Kirchen- und Chorgestühl (Schreiner Franz Rappenegger, Umkirch). Statue des „auferstandenen Christus“ gefasst (Zuschreibung an Bildhauer A. X. Hauser)

1766       

Großes Kruzifix (Bildhauer Jacob Schmidt, Freiburg)

1767

Farbfassung der Nebenaltäre (Maler Friedrich Pfunner, Freiburg).  Bildhauerarbei­ten (Hochaltarfiguren, Annaselbdritt) durch Anton Xaver Hauser, Freiburg

1776

Verlegung und Reparatur der Kirchenorgel (Orgelmacher Joh. Bapt. Hettich, Freiburg)

1787

Orgelreparatur (Joh. Bapt. Hettich)

1808



Neubau der Kirchenorgel durch Orgelmacher Nikolaus Schuble, Pfaffenweiler und Verkauf der alten Orgel nach Feldkirch (Kath. Kirche).
Renovierung des Heiligen Grabes. Dazu Gemälde "Christus im Grab" von Simon Göser, Freiburg

1812       

Farbfassung des Orgelgehäuses (Sebastian Nüßlin, Freiburg)

1827      

Kirchturm als trigonometrischer Hochpunkt

1842       

Vierzehn Kreuzwegstationstafeln durch Maier Dionis Ganter, Freiburg

1912   
    

Verkauf wertvol­ler, meist gotischer Statuen an das Diözesanmuseum (Augustinermuseum)

1935/36

Renovierung des Kirchen­inneren (Restaurator Josef Geschöll, Freiburg)

1953

Zwei neue Glocken (F. W. Schilling, Heidelberg). Drei­stimmiges Geläute

1954    
  

Außenrenovierung von Kir­che und Pfarrhaus. Vorbau eines Windfanges am Kirchenportal

1961/62 

Einbau einer Warmluftheizung. Neuer Beichtstuhl

1963 
   

Neues Antependium und Tabernakelumbau am Hochaltar (A. Fischer und M. Bauernfeind)

1967

Umbau und Erweiterung der Orgel (Orgelbaumeister Eugen Pfaff, Überlingen)

1965/67


Kopien der barocken Annaselbdritt- und der spätgotischen St. Martinsstatue sowie neuer Zelebrationsaltar und Lesepult durch Bildhauer Alfons Fischer, Freiburg

1967   
    

Rückgabe der fis"-Glocke und Neubeschaffung der beiden großen Glocken (F. W. Schilling, Heidelberg). Vierstimmiges Geläute.

1975      

Einbau neue Fenster

1978-80   

Umfangreiche Kirchenrenovierung innen und außen, sowie Restaurierung aller Altäre, Figuren und Gemälde. Neues Kirchengestühl

1998       

Restaurierung des alten Tafelbildes „Krönung Mariens“ (Anf. 16. Jh.)

2008    

   
  

Kirchenrenovierung; dabei Erneuerung der Heizungsanlage und der elektrischen Anlagen, neuer Innenanstrich und neue Schallläden am Glockenturm,

Baumeister, Handwerker und Künstler.
Aus den Rechnungsunterlagen wird deutlich, welch mühseliges Unternehmen ein Kirchenneubau 1724/25 gewesen ist. Brechen und Anführen des Steinmaterials besorgten Gallus Vögtlin im Humberg, Joseph Im­brecht aus des Herrn Greiffenbergs Hof, Hans Schwayer ab der Wiestin. Als Holz­hauer waren tätig Hans Stayert von Zarten und Hans Jörg Willmann (im „Bohrer“ bei Freiburg); Peter Riedin schlug zu Mundenhoffen die Gerüststangen; der Vogt aus dem Zastler und Michael Stayert beteiligten sich ebenfalls an der Holzbeschaffung. Eisen­zeug kam aus Wolfenweiler und vom Freiburger Kaufhaus. Verarbeitung durch Nagel­schmiede und Schlosser aus Lehen und Freiburg. Weiter werden genannt „der glaser Zue Freyburg“, der „schreiner von Freyburg mit 4. gesellen“ (J. M. Stehlin?), „gestell Und stain und Ein altar stain“ aus den Sandsteinbrüchen von Tennenbach, der „Krumbholz“ (Wagner) für „sand bennen und schaltkärren“, „Christian Senn der Zim­mermeister“, der Ziegler von Biezighofen, Ziegler Franz Koch von Uffhausen, der „Spengler zue Freyburg“, Seilermeister von Freiburg und Waltershofen) (Stricke für das Gerüst), der Säger zu Günterstal und Freiburger Farbenlieferanten. Viel Geld und Zeit verschlang die Anfuhr des Bauholzes aus dem „Bohrer“ und dem Attental. Zeh­rungen wurden ausgegeben an 33 Taglöhner, an die Maurer, als sie „den Ebnetwein getrunkhen haben“ (Vollendung des Abbruchs der alten Kirche) sowie zu verschiede­nen Malen, „alß sie die Kirchen, die Bohr Kürch (Empore) und das Chor aufgericht haben“, und auch an „die Kinder Brodt und Knöpflin alß sie die Kürchen undt das Chor gedeckht haben“ (Mithilfe beim Ziegelstrecken). 

Gerhard Hauber, dem „maurer Meister Lammwürth“, fielen für Ent­wurf, Bauleitung und Maurerarbeit 553 fl 9 b Entlohnung zu. 1715 Einbür­gerung in Freiburg und Verheiratung mit der verwitweten Lammwirtin M. Franziska Mayerin. G. Hauber, von Simmerberg/Allgäu gebürtig, Mitglied der Bauzunft zum Mond, Freiburger Stadtwerkmeister und „Konventsbau­meister“ des Predigerklosters, erwarb sich ein beachtliches Vermögen. Bei zahlreichen Baumaßnahmen und Steinmetzearbeiten in Freiburg nach­weisbar. 1722 Plan für Blasiuskapelle in Buchenbach, 1732 für das Fran­ziskanerkloster, ab 1733 für das Adelhauserkloster und von 1735 an für die Dominikaner Freiburgs mit Planungs- und Bauarbeiten beschäftigt. 1737 „Zähringer Brücke“. 1740 neuer Felicianusbrunnen in der Egelgasse (Zusammenarbeit mit Bildhauer A. X. Hauser). > 1743 Freiburg. Seine 3. Frau überlebte ihn um 60 Jahre.

Joh. Martin StehIin, der in Herdern (Herrschaft Frauenfeld/ Schweiz) gebürtige Schreinermeister, verheiratete sich 1717 in Freiburg. Einbürgerung und Aufnahme in die Bauzunft zum Mond. Beichtstühle und Altäre der Lehener Kirche seine wichtigsten bekannten Arbeiten. > 1760 Freiburg. Johann Adam Bretz (1724-1803) aus Zaingrub bei Gars a. K. (Niederösterreich), der bekannte Kunstschreiner und Altarbauer, verhei­ratete sich 1752 mit der Tochter M. Stehlins und führte dessen Werkstatt fort.  

Sebastian BIödt  (Blöd, Bleedt, Blett) wurde 1738/39 zur „außstaf­fierung“ des Hochaltars und 1739 für „den neben altar, so die Statt Ver­ferttigen“ ließ, als Bildhauer beigezogen. „Gebürthig Zu Villingen“; 1725 Verheiratung und bürgerliche Aufnahme in Freiburg; wohnhaft im Wilden­Mann-Gäßle. Sebastian Blödt, einer der nahezu vergessenen Barockkünst­ler des Breisgaus, arbeitete 1730 an der Ausstattung der Klosterkirche St. Peter mit; 1740 von ihm neue Kanzel und Nebenaltäre für die alte Wall­fahrtskapelle auf dem Lindenberg (A. Erhart). Auch als Grabsteinbildhauer nachweisbar. > 1745 Freiburg. 

Johann Michael Saur  steuerte das Hochaltarbild der Himmel­fahrt Mariens und das Bild des Lehener Ortpatrons St. Cyriak zu den Altarbauten bei. Seine Herkunft nicht bestimmbar. Er kann nicht 1692 in Freiburg geboren sein, wenn er bereits 1702/03 für das Predigerkloster der Stadt künstlerisch tätig war. Als Soldat nach Freiburg gekommen. Mehrere graphische Arbeiten 1705/09 nachweisbar. 1714 Restaurierung des Hochaltarbildes im Münster. 1716 Freskomalereien im Kapitelhaus des Klosters St. Peter. 1717 Ausmalung der Ratsstube. 1718 Plan der Freibur­ger Brunnenstuben. 1719/21 Altar- und Deckenbilder für die St. Ursula­kapelle in St. Peter. 1720 Statuenfassungen in St. Peter. 1723/26 Antepen­dium "Grab Christi" in die Kapelle des Antoniterhauses und 6 Gemälde für das Refektorium der Dominikaner. 1728 Tafelbild der Belagerung Frei­burgs. Deckenbilder und Predella mit Bild der Hl. Odilia in die Waldkapelle St. Ottilien. 1729 sieben große Altarblätter für die Klosterkirche St. Peter. 1737 Deckenbilder in der Pfarrkirche Kirchzarten. 1750 in Sölden Hochal­tarbild nachträglich übernommen. > 1745 Freiburg. 

Franz Anton Laubacher  war ein gesuchter Fassmaler und Ver­golder. V 1687/89 Freiburg. 1724 Verheiratung und Aufnahme in die Zunft zum Riesen. Wiederholt mit Arbeiten für die Stadt beschäftigt. 1730/1732 Farbfassung der Altäre in der Adelshauser Klosterkirche Freiburg. 1736 Fassung der Altäre in der Klosterkirche St. Märgen. 1738/39 Fassar­beit am Lehener Hochaltar. Auch 1751 und 1760 für Lehen tätig. > 1769 Freiburg. 

Anton Xaver Hauser sind die wertvolleren Barockskulpturen der Lehener Kirche zu verdanken: Gallus- und Fridolinsstatuen des Hoch­altars, Annaselbdritt, Pietá und Auferstehungschristus auf dem Taufstein. Die den Seitenaltä­ren angepassten Schnitzereien der Kanzel von 1754 jedoch wesentlich schwächer. V 1712 Schlettstadt. Nach Gesellenzeit in Straßburg 1736 Einbürgerung und Heirat in Freiburg. Als Ratsherr und Zunftmeister be­vorzugter Bildhauer der Stadt. Seine Arbeiten gewannen erst an Qualität, als er um 1760 unter den künstlerischen Einfluss J. Chr. Wentzingers (1710 bis 1797) geriet. Zahlreiche Werke im Breisgau. > 1772 Freiburg.   

Friedrich Pfunner, V 1718 Freiburg, > 1781 Freiburg, ge­hörte zu jener Tiroler Künstlersippe, die während des 18. Jh. mehrere Ma­ler in Freiburg stellte. Seit 1743 Bürger und Mitglied der Malerzunft zum Riesen. 1750 Hausbesitzer in der Nußmannsgasse und Nachbar des Bild­hauers A. X. Hauser. 1767 Farbfassung der Lehener Seitenaltäre und der großen Hochaltarfiguren. 

Joh. Bapt. Seilinger  sind die Prozessionstragfiguren der Imma­culata, des Kirchenpatrons St. Cyriak und das Vortragekreuz zuzuschrei­ben. V 1714 Merdingen. Nach Wanderjahren in Straßburg, Paris, Am­sterdam und Antwerpen Rückkehr in den Breisgau und 1753 Einbürgerung in Freiburg. Zahlreiche Werke von unverwechselbarer Manier im Breisgau erhalten. > 1779 Wasserschloss Inzlingen bei Lörrach.   

Nikolaus SchubIe, der 1808 die neue Kirchenorgel erstellte, wur­de (lt. Angaben von Orgeldenkmalpfleger B. Sulzmann) 1770 in Pfaf­fenweiler (Breisgau) geboren. Ausbildung in der Werkstatt der verwandten Orgelmacher Bernauer, Staufen. 1802 in Villingen wohnhaft. 1802 Mitarbeit am Orgelneubau Merdingen. 1805 Posaunenbaß für die Opfinger Orgel, 1811/13 Chororgel für das Freiburger Münster. Von ihm blieben nur die gut gearbeiteten Orgelgehäuse in Lehen, Horben und Kirchhofen erhalten > 1816 Freiburg.    

Dionis Ganter  lieferte 1842 die Kreuzwegstationstafeln. Er zählt zu jenen Schwarzwaldmalern, die ihre künstlerische Tätigkeit als heimarbei­tende Uhrschild- und Hinterglasmaler begannen.
V 1798 Eisenbach. 1821 akademische Ausbildung in Wien bei Kupelwieser und Führich. Er hatte sich als Porträtmaler bereits einen Namen gemacht, als er 1841 von Eisenbach nach Freiburg umsiedelte. Altarbilder in Freiburg-Herdern, Bu­chenbach, Nußbach und Tannheim. > 1862 Freiburg.
  

 

Das Äußere der Kirche.
Zusammen mit dem stattlichen Barockbau des Pfarrhauses, in dessen ehem. Wirtschaftsgebäude der Cyriaksaal dem Gemeindeleben der Pfarrei dient, beherrscht die erhöht im Friedhof gelegene Pfarr­kirche wie eh und je den Orts­kern Lehens. Baumeister Ger­hard Hauber bezog den drei­geschossigen gotischen Turm (mit Schlitz- und Maßwerkfen­stern) an der südlichen Seite des Chores in den Kirchen­neubau mit ein. Der untere Teil des Turmes stammt aus der Zeit zwischen Romanik und Gotik (13./14. Jh.). Eingelassen in die nördliche Turmseite, die als Chorraumwand dient, erin­nert ein runder Gewölbeschlussstein mit dem Wappen der 1528 ausgestorbenen Adelsfamilie von Ankenreut ebenfalls noch an die 1724 abgerissene Vorgängerkirche. Im Erdgeschoss des Turmes ein kleiner Sakristeiraum, des­sen Kreuzgratgewölbe auf kelchförmigen Eckkonsolen aufsitzt. Die Obergeschosse sind nur über den Kirchen­speicher zugänglich. Von Zim­mermeister Christian Senn in Holz ausgeführt und durch Kupferblechdeckung gegen Witterungseinflüsse geschützt, erhebt sich die barocke Zwiebelhaube auf einem regelmäßig achteckigen Glockengeschoss, dessen Seitenwände wechselweise Schallöffnungen und Zifferblätter der Turmuhr zeigen. Ein Stützbalken des Glockengeschosses trägt das Datum „20. Aug. 1686“. - Hans Heinrich Weitenauer goss 1698 in Basel die klein­ste Glocke „Gott zu Ehren fir die gesamte Vogtei zu Lehen“ (Pfarrer Joh. Michael Rumelhart). Sie erklingt zusammen mit dem nach dem 2. Welt­krieg bei dem 1971 verstorbenen Heidelberger Glockengießer F. W. Schil­ling beschafften Geläute: Christusglocke von 1968, Ton gis' (800 kg/106 cm Ø); Marienglocke von 1968, Ton h' (460 kg/90 cm Ø); Cyriakusglocke von 1953), Ton cis"; Michaelsglocke von 1698, Ton dis".1954 wurde die Kirche bei der Außenrenovation in einen Zustand versetzt, der nicht der originalen Farbfassung entsprach. Eine amtliche Bauskizze verbürgt 1827 für die Wandflächen des Turmes und des Kirchengebäudes ein „Gelblich weihs“, das am Turm mit roten Ecklisenen und daraus her­vorgehenden „regelmäsig rothen Ecken“ in der Form einer Quaderung eingefasst war. Dreiseitig schließender Chorbau und Langhaus unter einem gleichmäßig hohen Dach mit gekehlten Traufgesimsen wiesen ehedem ebenfalls dekorativ aufgemalte Lisenen („blahs rothe Ecken“) zur Gliederung und Hervorhebung der Architektur auf. Bei der Außenrenovierung 1981 wurde auf Initiative von Pfarrer Dr. Franz Erdin dieser ursprüngliche Zustand wiederhergestellt. In den Langhausseiten 4 stichbogige Fenster; nach Süden ein Nebenaus­gang zum Friedhof und an der Außenwand eine neuzeitliche Sonnenuhr. Den Giebel über der ganz einfach gehaltenen Hauptportalwand ziert ein Sandstein-Kreuz mit eingeritztem Kruzifixus aus der Zeit um 1400. Zwi­schen dem 1954 angebautem Windfang des Hauptportals und dem Hintereingang des Pfarrhauses ein 1777 erstelltes Steinkruzifix in feiner Ausarbeitung (Bildhauer F. A. X. Hauser), gestiftet von den Ehe­leuten Joseph Meier, Schuhmacher, und Marianna Albrechtin.        An der Nordseite des Chores ein zweistöckiger Sakristeianbau mit wenig orga­nisch angesetztem Pultdach. Das 1686 aufgerichtete „bayn heislein“ (Bein­häuschen) des Friedhofes ist nicht mehr vorhanden.  
Pfarrer Joseph Redhaber, der den Kirchenneubau durchsetzte, wurde 1680 in Freiburg geboren. Theologiestudium an der heimischen Universität. 1704 Bewilligung eines Tischtitels durch das Mehrere Spital Freiburgs. Spitalgeistlicher, Coadjutor und Kooperator der Stadtpfarrei, bevor er 1714 zum Pfarrer in Lehen berufen wurde (bis 1730). Dekan des Landkapitels Freiburg. Seine neue Kirche erhielt am 18. 8. 1749 durch den Konstanzer Bischof F. C. J. Graf Fugger von Kirchberg die feierliche Weihe. Grab in der Kirche. 
Joseph Krembsch, V 1716 Mar­bach bei Villingen, 1744-58 Pfarrer in Lehen; anschließend in Endingen (dort unter ihm 1774/75 Erbauung der Peterskirche).

Führung durch die Kirche

Der Innenraum. An das saalartige Langhaus von rechteckigem Grundriss schließt sich in additiver Weise der im 3/8 -Schluß endende, erhöhte Chor­raum an. Die schlichten Wände nur durch die Fenster gegliedert. Flach­gespannte, durch Stuckprofilleisten in gelb-weiß-getönte Felder aufgeteil­te, im Chor höher gesetzte Decken mit abschwingenden Hohlkehlen und kräftigen Gesimsen. Im Deckenspiegel des Chores neobarockes Lamm Gottes auf Buch mit 7 Siegeln. An der nördlichen Chorwand die breitge­drückte, stichbogige Öffnung der ehemaligen Loggia über der Sakristei. Chorstühle aus der 2.H.d.18.Jh. kunstvoll bemalt. Die Chorbogenwand dient als Rücklage für die frontal gestellten Seitenaltäre. Ausbauchung des Chorraumes zur besseren Platzierung des neuen Ze­lebrationsaltares. Die Kommunionbank (mit alten Balustern) wurde in den 90er Jahren entfernt, da eine derartige Trennung von Priester und Gemeinde nicht mehr erwünscht war. Unter dem Chorraum im Boden eingelassen eine Grabplatte für die Frau des vorderösterr. Amtmannes Michael Textor (Kirchenstifterin), dessen „Lehenshof“ von 1587 (nach Umbau im 18. Jh.) ebenfalls erhalten blieb.Die zwei Beichtstühle von 1732 durch einen neuen ersetzt. Auffal­lend die sehr tief angelegte, auf zwei Holzstützen ruhende Orgelempore, die vermutlich seit der Erstellung einige male verändert worden ist. Bei der letzten Kirchenrenovierung 1978 musste die Empore stabilisiert werden, dabei konnten vier überflüssige Stützsäulen entfernt werden. 1808 er­stellte Nikolaus Schuble die zweite Kirchenorgel mit 11 Registern (1 Ma­nual, Pedal) in beachtlicher Disposition. Leider nur das barocke Gehäuse erhalten. 1903 Orgelneubau (August Merklin, Freiburg). 1965 Orgelerweite­rung (mit Schwellwerk). Jetzt 18 Register, 2 Manuale, Pedal (Eu gen Pfaff, Oberlingen) (Mittig. K. Wehrle, Lehen). Seine Wirkung bezieht der Kirchen­raum vor allem aus der im 18. Jh. entstandenen Ausstattung.

Altäre und Kanzel. Als Blickfang im Chorhaupt die mächtige Hochal­tarrückwand mit je 2 gestaffelt angesetzten Säulen neben dem Altarblatt. J. M. Saur malte in figurenreicher Komposition die in den Himmel aufgenommene Gottesmutter, umgeben von der heiligsten Dreifaltigkeit, umschwebt von rauchfass-schwingenden Engeln und marianische Symbole tragenden Putten. Weiße Rosen fallen auf die um Hilfe bittenden Men­schen nieder, ein sehr schönes Motiv. Marien-Monogramm im reich deko­rierten Altarauszug. Ein Engelskind streckt von dort die Krone hinunter ins Bild. Während des 18. Jh. galt für die Lehener Kirche zeitweise das Ma­rienpatrozinium. An den Altarflanken die großen Statuen des hl. Gallus und St. Fridolins, der den toten Ursus aus dem Grab zieht und als Zeuge vor das Gericht bringt, zwei qualitätsvolle Figuren der Altarmitpatrone (A. X. Hauser). Am abgerückten Altartisch Tabernakel noch original (1737); sonstige Aufbauten und Antependium im 19. und 20. Jh. verändert. Altäre und Kanzel wurden 1980 restauriert und dabei die Originalfassungen freigelegt. Der südliche Seitenaltar (rechts) umschließt das Bild des Hl. Cyriak. Reiche Régencedekoration. Köstlich zwei Putten, die eine Blütengirlande an den Altarrahmen heften. Das beachtenswerte Altarblatt: In einer Wolke schwe­bend, die Hand schützend über Kirche und Häuser Lehens haltend, ist der Kirchenpatron, der um 300 in Rom lebte, dargestellt. An einem Eichbaum („Bildeiche“ von Lehen) im Weidegebiet treibt er einer noblen Dame, wohl Artemia, den Teufel aus. Das Wappenbild am Eichstamm enthält eine Münzpresse und einen Mann, der eine Silbermünze hochhält. Zusammenhang mit Bild unklar. St. Cyriak, ein Diakon, Martyrer, gilt als Nothelfer gegen den Teufel, da er die Tochter Kaiser Diokletians vom bösen Geist befreite. Bei den Gärten Sallusts an der Salarischen Straße wurde er enthauptet. Dort wurde eine Kirche erbaut. Cyriakus war Patron des Kirchenstaates.  
Der linke Seitenaltar, zu Ehren Jesu Christi und der schmerzhaften Gottesmutter ge­weiht, ein Altar­blatt mit der Abnahme Christi vom Kreuz. In den Eckzwickeln über den Bildern der beiden Seitenaltäre jeweils die Wappen Vorderösterreichs und der Stadt Freiburg als ehemalige Ortsherren Lehens.
Die Kanzel erscheint für das Entstehungsjahr 1754 etwas antiquiert. Offensichtlich wurde von den Schnitzern verlangt, die applizierten Dekora­tionen stilistisch denen der Seitenaltäre anzugleichen. Auf der Voluten­krone des Schalldeckels gestikulierende Englein; an der Unterseite herab­schwebende HI. Geisttaube. Am Kanzelkorb inmitten der 4 Evangelisten die Statuette des segnenden Christus. Eine Kartusche am Kanzelwulst präsentiert das Monogramm" I K", ein Hinweis auf Pfarrer Dr. Joseph Krembsch, der die Kanzel errichten ließ.

Sonstige Kultstücke.
Kelchförmiger, achtseitiger Taufstein mit Da­tierung 1728 und Stifterinschrift „Mathis Zimermann Löwenwirt“.
In der eigenartigen Ausarbeitung als Werke J. B. Sellingers erkennbar die Pro­zessionstragfiguren St. Cyriak und der unbefleckt empfange­nen Jungfrau Maria.
Ein würdevoll gemaltes 0IbiId „Christus im Grab“ zeigt den frühklassizistischen Stil Simon Gösers (1735-1816). Mög­licherweise während der Karwoche bei der Aufstellung des HI. Grabes ver­wendet worden (heute unter der Empore). In denselben Zusammenhang zu bringen sind die eindrucksvollen Skulpturen der Beweinung Christi und des auferstandenen Heilandes, die ebenso wie die Annaselbdritt-Grup­pe - dem A. X. Hauser zuzuordnen sind.
Seltenheitswert besitzen die 14 Kreuzwegstationen des Malers Dionis Ganter. 
Die Dekorationen der beiden 1732 entstandenen Beichtstühle wurden nach der Restaurierung wieder in der Kirche montiert. Eine auf dem 1961 neu eingebautem Beichtstuhl, die andere über der Sakristeitüre. Dabei Olbilder des hl. Petrus und der Magdalena.     
Ebenfalls nach langjähriger Aufbewahrung im Pfarrhaus wurde 1998 auf Initiative von Pfarrer Franz Leithenmayr ein altes Tafel­bild „Krönung Mariens“ (Anf. 16. Jh.) restauriert und im Chorraum aufgehängt. Es wird davon ausgegangen, dass das auf Holz gemalte Bild aus der Vorgängerkirche und vielleicht früher aus dem Freiburger Münster stammt.
 
Oualitätvolle spätgotische Figuren gingen der Lehener Kirche 1912 durch Verkauf verloren. Im Freiburger Augustinermuseum sind vorhanden:
Ø        Sitzende Madonna (um 1470),
Ø        Christophorus (um 1490),
Ø        Stephanus, Laurentius und Sebastian (1490/1500),
Ø        St. Martin als Bischof mit Bettler (1500/10); Umkreis um Wydyz);
Ø        Kruzifix (Anf. 18. Jh.);
Ø        Annaselbdritt (A. X. Hauser; Statuette der Maria verloren).  
Die Figuren sind teilweise als Kopien in der Kirche vorhanden.  

 

Der Kirchenschatz enthält interessan­te Goldschmiedearbeiten.
Unter anderem ein Ziborium (Speisekelch) von 1625 aus dem Konstanzer Domschatz. Es wurde von Goldschmid Lukas Keller geschaffen und kam 1827 durch die Säkularisation über den neugegründeten Bischofssitz Freiburg in das nahe gelegene Dorf Lehen. Nach dem Wappen zu schließen, gehörte das Ziborium in den Besitz eines Konstanzer Domherren von Bodmann.  

 

Würdigung.
Lehens St. Cyriakskirche prägt mit ihrem reizvoll in den Neu­bau einbezogenen gotischen Turm und der behäbigen Zwiebelhaube das Ortsbild des Freiburger Stadtteils. Zu Unrecht im „Handbuch der deut­schen Kunstdenkmäler (Baden-Württemberg)“ nicht erwähnt, zählt sie zu jenen barocken Landkirchen, die während des 18. Jh. rund um Freiburg neu entstanden sind. In einfachen Formen 1724/25 errichtet, zeugt das Kirchengebäude nicht nur von der Tätigkeit des Allgäuer Baumeisters Ger­hard Hauber im Breisgau, sondern birgt auch wertvolle Arbeiten einheimi­scher Barockkünstler. Grund genug, der Lehener Pfarrkirche St. Cyriak wieder die Beachtung zu schen­ken, die ihr gebührt.
     

 

 

Akten: Pfarrarchiv Lehen, Erzbi­schöfliches Archiv Freiburg, Stadt­archiv Freiburg, Dompfarramt Frei­burg, Pfarrarchiv St. Martin Frei­burg (z. T. im Generallandesarchiv Karlsruhe).

Mitteilungen: Geistl. Rat Pfr. Dr. Franz Erdin (Pfarrer 1963-1987 in Lehen >1999); Schul­leiter i. R. Karl Wehrle, Lehen; Ortsverwaltung Freiburg-Lehen (Waldvogel); Orgeldenkmalpfleger Bernd Sulzmann, Ettenheim; Obl. Paul Priesner, Freiburg; Bildhauer Alfred Erhart, Eschbach; Augusti­nermuseum Freiburg. Hermann Brommer 

Aktualisierung und Fotos: Robert Czaja, Freiburg-Lehen

 

Schrifttum: AmtI. Kreisbeschreibung Freiburg i. Br. II,2. Halbband/1974. - W. StüIpnagel, „Lehen“ in Handbuch der hist. Stätten 6/1965. - F. He­feIe, Vorarlberger und AlIgäuer Bauleute in Freiburg im 18. Jh. - Lee-Ges. Boden­see IV, 3/1929, S. 4. - H. Brommer, Bildhauer J. B. Sellinger, Schau-ins-Land-Jb. Breisgau-Gesch. Verein 1962/63. - J. Sauer, Das Predigerkloster in Freiburg, Zeit­schrift d. Freiburger Gesch. Vereins 38/1925. - J. L. Wohleb, Freiburger Barock­meister, Alemann. Heimat/Freibg. Tagespost Nr. 91/31. 5. 1936. - Kunstepo­chen der Stadt Freiburg, Ausstellungskatalog Augustinermuseum Freiburg/1970. ­- H. Brommer, Die Bildhauer Hauser, Schau-ins-Land-Jb. 1971 und 1976. - M. Her­mann, Das künstlerische Werk der Bildhauer Hauser, Bad. Heimat - Mein HeimatI./ 1972. - H. Brommer, Die Altäre der Adelhauser Klosterkirche in Freiburg, Schau-­ins-Land-Jb. 88/1970. - J. Schroth, Schwarzwaldmaler im 19. Jh., Jan Thorbecke Verlag Konstanz. - F. Schaub, Die Matrikel der Universität Freiburg von 1656-1806.