Seelsorgeeinheit Freiburg West

Hl. Famile St Albert St. Cyriak

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Würdigung der Kirche

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Dr. Franz Erdin, Geistlicher Rat

Pfarrer in Lehen von 1960 bis 1987


 Die Kirche von Lehen ist ein Wahrzeichen des alten Dorfes Lehen und ist es auch im neuen Stadtteil von Freiburg geblieben. Gleichgültig von welcher Richtung man die Kirche sieht, sie strahlt Schönheit und Harmonie aus. Da wo die Kirche heute steht, stand früher eine kleinere gotische Kirche. Von dieser gotischen Kirche ist heute noch erhalten der untere und mittlere Teil des Turmes. Der untere Teil stammt aus der Zeit zwischen Romanik und Gotik (13./14. Jahrhundert). Der mittlere Teil mit den schönen Fenstern ist echte Gotik. Auf dem Giebel über dem Haupteingang ist ein kleines Sand­steinkreuz, das sehr wahrscheinlich von der gotischen Kirche stammt. Auf diesem Kreuz ist in echt gotischem Stil ein Corpus eingeritzt. Mit dem Fernglas ist dieser Corpus gut zu erkennen. Außerdem ist der Schlussstein des gotischen Chores erhalten. Er ist in der südlichen Seitenwand des heutigen Chores eingemauert.
 Aus der gotischen Kirche ist noch erhalten eine alte wertvolle Glocke. Sie trägt die Inschrift: „Hans Heinrich Weitenauer goß mich in Basel 1698.“ Auf dieser Glocke ist auch der Name des damaligen Pfarrers zu lesen: Michael Rumelhart.
 In den Jahren 1724/25 wurde die jetzige Kirche unter Pfarrer und Dekan Joseph Redhaber gebaut. Die Steine wurden am Lehener Bergle gebrochen. Der Altarstein stammt aus den Steinbrüchen von Tennenbach bei Em­mendingen. Das Bauholz kam vom Bohrer und dem Attental. Die Kirche ist eine stilechte barocke Kirche und reiht sich ein in die schönen und schönsten barocken Kirchen des Breisgaus. In den Jahren 1979-1981 wurde die Kirche umfassend restauriert und in ihrem ursprüng­lichen farblichen Zustand wieder hergestellt. Es gelang, die ursprünglichen Farben, die unter den späteren Über­malungen noch vorhanden waren, wieder herauszuho­len. Die Kirche strahlt jetzt wieder im alten Glanz und findet uneingeschränkt Anklang bei den Bewohnern von Lehen und allen, die die Kirche besuchen.
  Namhafte Künstler der damaligen Zeit haben in der Kirche von und für die Kirche von Lehen gearbei­tet. Johann Michael Sauer, der herrliche Altarblätter für die Klosterkirche von St. Peter gemalt hat, schuf das Bild des Hochaltars. Es stellt dar die leibliche Aufnahme Mariens in den Himmel. Vom Himmel fallende Rosen sind die Verbindung zwischen dieser und der anderen Welt. Von diesem Künstler stammt auch das Bild des rechten Seitenaltares. Es zeigt die Verherrlichung des Kirchenpatrons, des hl. Cyriakus. Cyriakus war Diakon und hat den Märtyrertod erlitten in der Diokletianischen Verfolgung um das Jahr 300. Das Altarblatt des linken Seitenaltares, die Kreuzabnahme Christi, stammt von einem unbekannten Künstler. Der Bildhauer Anton Xaver Hauser aus Freiburg schuf künstlerisch wertvolle Skulpturen, die zum Teil im Original in der Kirche sind, zum Teil als Kopien die Kirche schmücken.
 
 Die Origi­nale der Kopien sind im Augustinermuseum in Frei­burg. Von Anton Xaver Hauser stammen die lebensgro­ßen Figuren des hl. Gallus und des hl. Fridolin links und rechts des Hochaltarbildes. An der Kanzelbrüstung sind von diesem Künstler Christus und die vier Evange­listen mit ihren Symbolen. In einer Nische der linken Seitenwand ist eine Schmerzensmutter und an der lin­ken Seitenwand eine Annaselbdritt (Mutter Anna, Ma­ria und das Jesuskind), beide von diesem Künstler. Ein fein gegliederter Auferstehungschristus ziert den Taufstein. Auch diese Skulptur stammt von Anton Xaver Hauser.

 

   
 Eine Skulptur des Kirchenpatrons, des hl. Cyriakus, ist auf dem rechten Seitenaltar und eine Immaculata auf dem linken Seitenaltar; beide sind das Werk des Barockbildhauers Johann Baptist Sellinger aus Merdingen. Der Corpus eines Vortragskreuzes stammt auch von diesem Künstler. An der linken Chorwand ist eine gotische Figur des hl. Christophorus. Das Original stammt aus der Zeit um 1500. An der rechten Seitenwand des Lang­hauses ist eine interessante Martinsfigur aus gotischer Zeit. Der hl. Martin ist dargestellt als Soldat und Bischof zugleich. Er trägt das Schwert und zugleich die bischöf­lichen Insignien. Eine eindrucksvolle Kreuzigungs­gruppe an der südlichen Wand des Langhauses stammt aus früh barocker Zeit. Der oder die Künstler sind nicht bekannt. Besonders eindrucksvoll sind die edlen Züge im Antlitz des Gekreuzigten.
 
 Dionis Ganter, der aus Eisenbach i. Schw. stammt, malte 1842 die Kreuzwegstationen, die volkstümlich und wertvoll sind. Von Simon Göser, der in St. Peter den sogenannten Fürstensaal ausgemalt hat, stammt das Bild „Grablegung Christi“ an der Rückwand der Kirche. Nikolaus Schuble, der aus Pfaffenweiler stammt und die Chororgel für das Freiburger Münster schuf, baute die Orgel für die Pfarrkirche Lehen im Jahre 1808. Von die­ser Orgel ist vor allem das wertvolle Gehäuse erhalten. 1967 wurde die Orgel erneuert und wieder hergestellt. Der Zelebrationsaltar „versus populum“ wurde in den 60er Jahren neu gebaut und in nachempfundenem Ba­rock der Kirche angepasst.
 
 Auf dem kelchförmigen aus grauem Sandstein gehauenen Taufstein steht die Inschrift: „1728 MATHIS ZIM­MERMANN L:WIRT“ (Löwenwirt). Eine Intarsienarbeit aus verschiedensten wertvollen Hölzern ziert die oberste Stufe des Hochaltares. Unter den Altargeräten ist ein wertvolles Ziborium (Speisekelch). Es wurde von Goldschmid Lukas Keller 1625 geschaffen und stammt wahr­scheinlich aus dem Konstanzer Domschatz, von wo es 1827 über den neugegründeten Bischofssitz Freiburg in das nahe gelegene Dorf Lehen kam. Nach dem Wappen zu schließen, gehörte das Ziborium in den Besitz eines Konstanzer Domherren von Bodmann. An der rechten Chorwand ist ein altes auf Holz gemaltes Tafel­bild „Krönung Mariens“, das evtl. in der gotischen Kir­che gewesen sein könnte.
 
 

  An der Außenseite der Kirche zeigt eine Sonnenuhr die heiteren Stunden an. Interessant dürfte sein, dass die Kugel auf der Kirchturmspitze ein trigonometrischer Punkt ist. Er spielte bei der Pla­nung des Stadtteiles Landwasser eine große Rolle.Ein kleines Fenster in der Mitte des Turmes wurde bewusst offen gehalten.

Dieses Fenster bildet den Zugang zu einem Eulennest, das sich im Innern des Turmes be­findet. Wer Glück hat, kann bei Einbruch der Dunkel­heit die Eulen sehen, wie sie ihre Behausung verlassen und auf Nahrungssuche gehen. In der Stille der Nacht kann man unter Umständen die scheuen und nützli­chen Tiere „schnarchen“ hören.

  

 Die Lehener Kirche bildet eine harmonische Einheit zu­sammen mit dem Pfarrhaus, das 1503 als „steinen gemu­ret Stöcklin ann Kilchhof auf der Kilchmure genannt wird“, und der alten Pfarrscheuer (Zehntscheuer), die zu einem Pfarrsaal (Cyriaksaal) umgebaut wurde. Die Ver­bindung des Ganzen ist das Barockkreuz zwischen Pfarrhaus und Kirche. Eine  Bereicherung des Ganzen ist nicht zuletzt das Longinuskreuz, das sich ganz in der Nähe der Kirche befindet und neu angefertigt wurde.

 

 
 

Die Bewohner von Lehen dürfen stolz sein auf ihre wertvolle barocke Kirche. Doch der berechtigte Stolz al­lein genügt nicht. Es gilt, das Wertvolle zu erhalten und für die Zukunft zu sichern. Das ist Aufgabe aller Be­wohner von Lehen und besondere Aufgabe derer, die für die Kirche Verantwortung tragen.

 Dr. Franz Erdin, Pfarrer